Fellowship: Besuch bei der Utrecht Data School

Im Rahmen des Digital Learning Transfer Fellowships, um das sich der Bereich Medienbildung im vergangenen Jahr erfolgreich beworben hat, wurde die erste aus einer Reihe von Hospitationen bei Projekten und Institutionen mit Medienbezug in Deutschland, Europa und den USA durchgeführt. Zum Auftakt ging es in die Niederlande zur Utrecht Data School. Ganz ähnlich wie unsere „Was mit Medien“-Veranstaltungen, versucht dort ein interdisziplinäres Team, einer heterogenen Studierendenschaft medienbezogene Kompetenzen zu vermitteln – dort aber mit einem speziellen Fokus auf „data practices“, also den analytischen und kulturellen Praktiken im Umgang mit Daten.

Die Utrecht Data School besteht aus einem kleinen, jungen und dynamischen Team aus Medien- und Datenwissenschaftler/innen. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, Studierenden Kompetenzen im Umgang mit der Auswertung von Daten zu vermitteln – sowohl kritisch reflektierend als auch ganz praktisch. In Zusammenarbeit mit Partnern aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft ermöglicht sie den Studierenden, eigenverantwortlich Praxisprojekte zu planen und durchzuführen, in denen sie je nach Zielvorgabe der „Kunden“ deren Datenbestände auswerten und interpretieren. So entsteht eine Win-Win-Situation, in der die Studierenden sowohl analytische und kommunikative Kompetenzen erwerben, als auch Erfahrungen der persönlichen Einflussnahme auf reale operative Prozesse machen – beispielsweise, wenn ein Hersteller aufgrund der Datenanalyse unrentable Produkte identifiziert und dadurch mehrere Hunderttausend Euro einspart.

Befähigt werden die Studierenden zu dieser Arbeit durch Veranstaltungen, in denen sie zunächst anhand von Excel grundlegende Konzepte der Datenauswertung erlernen und sich später auch in avanciertere Programme und Programmiersprachen wie R und, Python oder auch Visualisierungstools wie Tableau einarbeiten. Gleichzeitig wird kritisch diskutiert, welche Vorannahmen in die „Data Models“ und die Auswertung einfließen und anhand von Fachliteratur an den aktuellen Forschungsstand zurückgebunden. Wenn beispielsweise die Idee aufkommt, die Quantität des Medienkonsums eines Kindes könne sinnvoll mit dem Bedarf nach Unterstützungsangeboten durch die Jugendfürsorge korreliert werden, erweist sich das schnell als unterkomplex bzw. gar falsch. Je nach Projektpartner werden auch ethische Fragestellungen im Umgang mit Daten thematisiert oder auch kulturelle Einschreibungen wie die Geschlechterdualität etc. Fähigkeiten der fundierten theoretischen Auswertung gehen also einher mit ihrer kritischen Reflexion und der Analyse einer Kultur der Verdatung an sich. So finden sogenannte „Data Walks“ statt, in denen die Studierenden durch Utrecht spazieren und gemeinsam brainstormen, was auf diesem Spaziergang alles datafiziert wird oder werden könnte – und welche Auswirkungen das auf ihren Blick auf die Welt hat und welche Möglichkeiten der Auswertung sich ergäben.

Ganz ähnlich versuchen wir in unseren „Was mit Medien“-Veranstaltungen, den Studierenden Kompetenzen und Modelle an die Hand zu geben, um neue und eben auch analytische und kritische Perspektiven auf aktuelle medienkulturelle Phänomene zu eröffnen. Der Besuch bei der Data School im Rahmen des Fellowships war vor diesem Hintergrund sehr inspirierend und aufschlussreich. Zum Thema Datafizierung haben wir zwar schon einige Bausteine im Onlinekurs, aber von der Tiefe und auch methodischen Vielfalt können wir uns noch das ein oder andere abgucken. Es kann also sein, dass Studierende in einer unserer Veranstaltungen demnächst auch über Excel verstehen lernen, wie große Konzerne ihre Daten clustern und filtern können, oder Braunschweig während eines Spaziergangs in Gedanken datafizieren.

Der Hospitation bei der Utrecht Data School werden noch weitere folgen und wir werden weiter dazu berichten.

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