Rechtliche Aspekte in Bezug auf Reverse Engineering

Beitrag von
Volljurist Ass.-Jur., Dipl.-Jur. (univ.) Daniel Fiore-Marra

Unter „Reverse Engineering“ im Softwarebereich versteht man insbesondere die Rückgewinnung des Quellcodes aus bestimmter Software. Einfach übersetzt bedeutet “Reverse Engineering” das umgekehrte Entwickeln. Dazu wird ein bereits vorhandenes System oder eine vorhandene Software in ihre Einzelteile zerlegt, um den Aufbau, Konstruktion und Funktionsweise verstehen zu können.

Doch bei dieser „Rückgewinnung“ ist vor allem aus rechtlichen Aspekten Vorsicht geboten! Denn der Großteil der Produkte unterliegen bestimmten Lizenzbedingungen, durch die das “Reverse Engineering” untersagt wird. Ob ein solches Untersagen grundsätzlich auch den Bereich der Forschung und Lehre betrifft, ist rechtlich umstritten. Es bestehen Bestrebungen, dies zumindest für den Bereich der Forschung und Lehre zu lockern.

In dem Moment, in dem man jedoch das „Reverse Engineering“ zum gewerblichen Nachbau betreibt, wird sich der Ausführende mit den üblichen gewerblichen Schutzrechten, etwa Patentschutzrechten, auseinandersetzen müssen.

Diese Patentschutzrechte betreffen dann auch den Bereich der eigenständigen Forschung und Entwicklung.

Aus diesem Grund rate ich zur Vermeidung von Abmahnungen, die oft mit teuren Schadenersatz- und Unterlassungsforderungen gegen den betreibenden Studiernden, wissenschaftlichen Mitarbeiter, TU-Angehörigen oder freien Mitarbeiter oder die Technische Universität Braunschweig als Institution einhergehen, davon ab, „Reverse Engineering„ bei lizensierten Software-Produkten zu betreiben. Daran ändert auch die Tatsache nichts , dass es sich gegebenenfalls um „Open-Source-Software“ handelt, da auch diese bestimmte Lizenzbedingungen enthalten kann, die ein solches Vorgehen untersagt. Dies wäre im Einzelfall zu prüfen.

 

Für Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Volljurist Ass.-Jur., Dipl.-Jur. (univ.)

Daniel Fiore-Marra

Technische Universität Braunschweig
Mitarbeiter Projekt Zentrale IT-Beschaffung im Gauß IT-Zentrum
Mitarbeiter Abteilung 11

E-Mail: d.fiore@tu-braunschweig.de

2 Kommentare zu “Rechtliche Aspekte in Bezug auf Reverse Engineering

  1. Ein guter Hinweis in die richtige Richtung…. Greift der Hinweis nicht aber auch auf das Thema Urheberrechte zu – theoretisch müsste dann jede Art des Reverse Engineering unterlassen werden mit Ausnahme, es gibt eine ausdrückliche allumfassende Freigabe des Urhebers… ?!

  2. Guten Morgen Julia,
    vielen Dank für den Kiommentar und einen schönen Start in das Jahr 2019. Ja, grundsätzlich ist das Thema auch auf das Urheberrecht übertragbar, bedarf aber dann stets einer Einzelfallprüfung. Festzuhalten bleibt, dass die meisten Hersteller von Apps und Software entsprechnde Klauseln in Ihren Geschäftsbedingungen haben, die einen solchen Eingriff per “Reverse Engineering” zumindest erschweren, sogar untersagen. Dies ist auch verständlich, da diese ihre “Idee” schützen wollen. Hier ist äußerste Vorsicht geboten, um nicht in Regreß genommen zu werden.
    Viele Grüße aus dem GITZ/Abteilung 11.
    Daniel Fiore-Marra

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